Dienstag, 25.06.2019 19:36 Uhr

Mahmud Abbas - der greise Sphinx von Ramallah

Verantwortlicher Autor: Tamás György Morvay Jerusalem, 11.01.2019, 14:28 Uhr
Nachricht/Bericht: +++ Politik +++ Bericht 5704x gelesen

Jerusalem [ENA] Der Mann ist in seinem 84. Lebensjahr, von allerlei Gebrechen geplagt. Grosse Sprünge sind von ihm nicht zu erwarten. Nach dem Zusammenbruch der Gespräche mit seinen Hamas-Rivalen aus Gaza, sagte der Chef der Autonomiebehörde (PA), er werde keinesfalls als Verräter sterben: die Tür für Gespräche mit den USA bliebe verschlossen, solange diese ihre Anerkennung von Jerusalem als Israels Hauptstadt nicht zurücknähmen.

Dieser, keineswegs überraschenden, Ankündigung liess er wenige Tage später die Nachricht folgen, er gedenke das nominell höchste Legislativorgan der Palästinensischen Befreiungsorganisation PLO, den seit 2007 dis-funktionalen Nationalrat, innerhalb von sechs Monaten neu wählen zu lassen. Für Abbas und seine Fatah, die grösste Gruppierung innerhalb der PLO, geht es dabei weniger um die Demokratie, als um den Machterhalt. Ab Morgen tritt der greise «Präsident» das 15. Jahr seiner vierjährigen Amtsperiode an. Er regiert seit dem tumultuösen Kongress von 2009, als seine Gegner zum ersten Mal wagten, die Finanzgebahren der obersten Führung öffentlich zu kritisieren, nur noch per Dekret. Nur um die Form zu wahren, hat er einen Premierminister.

Abbas weiss, dass er ohne Hilfe von aussen ein toter Mann ist. Und so hält er, trotz mehrfach lautstark verkündeter Auflösung, an der Sicherheitskooperation mit Israel fest. Das wird jedes Mal offensichtlich, wenn Hamas aus dem von Abbas kontrollierten Gebiet von Judäa und Samarien Terroranschläge in Israel verüben. Wie zuletzt nahe der Stadt Ofra, bei dem aus einem fahrenden Auto heraus an einer Bushaltestelle, eine hochschwangere Frau und ihr Lebenspartner schwer verletzt wurden. Das frühgeborene Baby starb 3 Tage später, die beiden Verletzten sind vorgestern aus dem Krankenhaus entlassen worden. Die Terroristen wurden im Rahmen einer gemeinsamen Aktion der israelischen Armee und palästinensischen Sicherheitskräften gestellt.

In den vergangenen Monaten war Abbas mindestens drei Mal notfallmässig hospitalisiert worden. Wie alle Despoten, hat auch er keine offizielle Nachfolgeregelung getroffen. Und so gilt, auf dem Papier, dass ihm protokollgemäss der Parlamentschef im Amt folgt. Dieser Herr, Abd al-Aziz Dweik, gehört der Hamas an, und zählt – sofern man akzeptiert, dass es auch solche Hamas-Mitglieder gibt – zum gemässigten Flügel der Terrororganisation, und soll sich sogar für eine Zwei-Staaten-Lösung ausgesprochen haben. Dweik sass mehrere Male in Israel im Gefängnis, etwa nach der Ermordung von 3 israelischen Teenagern im Jahr 2014, dem Ereignis, das mittelbar zum vorerst letzten Gaza-Krieg geführt hatte. Doch Abbas fürchtet sich selbst vor dieser Marionette.

Für den Artikel ist der Verfasser verantwortlich, dem auch das Urheberrecht obliegt. Redaktionelle Inhalte von European-News-Agency können auf anderen Webseiten zitiert werden, wenn das Zitat maximal 5% des Gesamt-Textes ausmacht, als solches gekennzeichnet ist und die Quelle benannt (verlinkt) wird.
Zurück zur Übersicht
Photos und Events Photos und Events Photos und Events
Info.