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Die Botschaft der Kogi

Verantwortlicher Autor: Bianca Bell-Chambers Köln, 22.09.15, 12.10.2015, 13:12 Uhr
Presse-Ressort von: Bianca Bell-Chambers (BBC) Bericht 10710x gelesen
Oliver Driver im Land der Kogi
Oliver Driver im Land der Kogi  Bild: Oliver Driver

Köln, 22.09.15 [ENA] Bei strahlendem Sonnenschein husche ich in den kleinen Laden in der Simrockstraße. Die beiden Gäste aus Kolumbien sind bereits eingetroffen. Herzlich empfängt mich der Gastgeber in seinem Kölner Laden mit einem „Café Kogi“ aus der Sierra Nevada de Santa Marta, dem höchsten Küstengebirge der Welt.

Oliver Driver ist der Inhaber der Urwaldkaffee GmbH. Wie der Name schon sagt, handelt es sich um einen wild wachsenden Kaffee aus dem Urwald, der nicht wie üblich in Plantagen angebaut wird. Die Planzen wachsen natürlich und werden nicht gedüngt. Dahinter steht nicht nur ein einzigartiges Konzept mit einer außergewöhnlichen Geschäftsidee, sondern vor allem die Botschaft der Kogi an uns, ihre „Kleinen Brüder“, wieder im Einklang mit der Natur zu leben.

Kaffee

Die Kogis sind einer von vier Stämmen, die an den Hängen der Sierra Nevada de Santa Marta in Kolumbien beheimatet sind. Sie bezeichnen sich selbst als Hüter der Erde. In alter Tradition bauen sie feinsten Kaffee unter Wahrung der Natur an und verzichten dabei auf jegliche menschliche Manipulation. Der Kaffee wird per Hand geerntet und es gibt nur so viel, wie die Natur zu geben vermag.

Um ihre Botschaft an die Welt zu verkünden, sind Máma José Gabriel Limaco, spirituelles Oberhaupt der Kogi und sein Begleiter José Mauricio Blanco Torres, Leiter der Casa Indigena de Santa Marta aus Kolumbien angereist. José Mauricio ist das Bindeglied zwischen Kogi und dem Kleinem Bruder in rechtlicher und wirtschaftlicher Hinsicht. Sie sind hier, weil sie uns an unsere natürlichen Wurzeln erinnern wollen. Vor gut hundert Jahren entschieden die Kogi, das Land welches ihnen einst genommen wurde, zurück zu kaufen. Sie brauchen ihre heiligen Stätten, um das Gleichgewicht der Welt zu erhalten.

José Mauricio erklärt, dass die Kogi direkte Nachkommen der Tairona-Indianer sind. „Als Erben bewahren sie die Kultur und die Natur. Sie leben im Einklang mit der Natur.“ Er erzählt, dass sie nach der Eroberung durch Christof Columbus und dem Verlust des Goldes durch die Spanier die Fähigkeit des Kunsthandwerkes mit Goldarbeiten verloren haben. „Aus Angst vor neuen Übergriffen und Diebstahl haben sie keine neuen Gegenstände mehr angefertigt. Der Wert des Goldes ist für sie nicht materieller Art.“

Die Tairona zogen sich in die Berge der Sierra Nevada zurück und wurden für die Spanier uninteressant. „Mit der Eroberung kamen aber auch neue Weltansichten, Religionen, Essen, Tiere, aber auch Krankheiten und Gewalt.“ erklärt José Mauricio. Die Kogi halten Esel, Schweine, Hühner, Kühe und andere Tiere. Auf die Frage, ob sie diese auch essen sagt er: „Sie essen die Tiere, aber nicht ihre Seelen.“ Das ist eine Anspielung auf die Massentierhaltung bei uns und die nicht artgerechte Behandlung der Tiere.

Die Kogi wollen noch vorhandene Objekte und Orte, zumeist heilige Stätten, zurück kaufen. Dazu kooperieren sie mit Regierungen und Institutionen. Von der Regierung Kolumbiens erhielten sie anfangs 97 Hektar Land zurück. Mittlerweile konnten sie 480 Hektar zurück erwerben. Einige hundert Orte kauften sie zurück, 837 fehlen noch. Das gesamte ursprüngliche Gebiet umfasst circa eine Millionen Hektar. „Das Gebiet geht von der Karibikküste bis hin zu den schneebedeckten Gipfeln. Wenn die Kogi Land zurückgekauft haben, was in der Regel gerodet und in einem katastrophalen Zustand ist, ist das Ziel ungefähr 70 Prozent zu renaturieren. Maximal 30 Prozent werden bewirtschaftet.“ sagt José Mauricio.

Die Kogis sind sehr traurig, dass sich nicht alle Menschen für den Erhalt der Erde einsetzen. Wir beuten sie aus, bekämpfen einander und achten den Wert der Natur nicht. „Ihr müsst lernen, die Natur zu lesen.“ sagt Máma José Gabriel Limaco. Er ist Ältester, Weiser, Priester und Schamane, wurde bei seiner Geburt als Botschafter des Stammes auserwählt und 18 Jahre lang auf seine Aufgabe vorbereitet. Bei den Kogis werden diese spirituellen Führer „ Mamos (Mámus)“ genannt. Die weiße Mütze mit dem Zipfel ist ihnen vorbehalten. Die einzelnen Reihen und Streifen der Mütze haben ebenso eine Bedeutung wie die Ringe. Je weiter vom Zipfel entfernt, desto weiter weg befindet sich die Region vom Herzen der Erde.

Der Zipfel verkörpert nicht nur den Gipfel der Sierra Nevada, wie mir der Máma erklärt. Die gehäkelte Mütze stellt eine Art Weltkarte für die Kogis dar. Die Sierra Nevada ist für sie das Herz der Welt, weil ihre Gebirgskette die am höchsten in den Himmel ragende ist. Hier finden die spirituellen Zeremonien zum Schutz der Natur statt. „Wir schützen dieses Gebirge, denn so beschützen wir die Erde und halten das Gleichgewicht im Universum.“ erklärt Máma José Gabriel Limaco. „Sie tun dies inmitten von Paramilitär, Massaker, Drogen und Guerillas und müssen sich dabei vielen Konflikten stellen.“ fügt José Mauricio hinzu.

„Seit Jahren haben die Kogis verschiedene Programme initiiert, um Geld für den Rückkauf ihres Landes zu erwirtschaften, um für Bildung, Essen und Gesundheit zu sorgen.“ erzählt José Mauricio. „Die vier indigenen Völker der Sierra Nevada de Santa Marta umfassen mit den Kogi, den Arhuaco, den Kankuamo und den Wiwa rund 50.000 Einwohner.“ Máma José Gabriel Limaco hat sich auf den Weg in entfernte Länder gemacht, um seine Botschaft für die Natur in der Welt zu verbreiten. Er war nach eigenen Worten in Frankreich, Italien, Deutschland, der Schweiz und den USA, um Verständnis und Geld zu sammeln. Die Kogis arbeiten mit anderen Stämmen zusammen, machen Filme und werben für den Erhalt der Natur.

Máma José Gabriel wuchs in dem Irrglauben auf, dass die Kleinen Brüder die Großen Brüder (die Kogis) fressen würden. Dies war allerdings nur sprichwörtlich gemeint. Nach seiner ersten Reise zum Kleinen Bruder kam der Máma mit der Botschaft zurück, dass die Kleinen Brüder nicht wirklich die Großen Brüder fressen wollen. Als Botschafter für rote und gelbe Früchte zog er ins ferne Land, um Partner für seine Projekte zu finden. „Die Kaffeefrüchte sind gelb-rötlich, wenn sie von der Frucht umhüllt sind.“ erklärt José Mauricio. „Daher ist Máma José Gabriel Limaco für den Kaffee zuständig.“

Der Kölner Oliver Driver, der selbst als Rucksacktourist in Kolumbien war und bereits Bücher über die Kogi gelesen hatte, wurde Ende 2013 zu einem Vortrag von Máma José Gabriel in die Bonner Fairtrade-Zentrale eingeladen. „Máma José Gabriel war ohne großen Plan oder Terminkalender mit einem Begleiter zur weltgrößten Nahrungsmittelmesse der „ANUGA“ in Köln gereist, um einen Partner für sein Kaffeeprojekt zu finden.“ erzählt Oliver. Die Kogi wollen keine Bedingungen für Fairtrade- oder Bio-Siegel erfüllen. Als eines der am wenigsten akkulturierten Völker der Erde leben seit jeher im Einklang mit der Natur. Sie nutzen keinerlei chemische Substanzen oder manipulative Techniken.

Das Urwaldkaffee

„Warum sollten ausgerechnet wir ihnen sagen, wie sie nachhaltig zu produzieren haben?“ fragt Oliver und meldet sich als Partner. Er reist zu den Kogis nach Kolumbien. Daraus entwickelt sich das Projekt „Urwaldkaffee“. Mit Hilfe des Crowdfunding-Netzwerkes „startnext“ schafft Oliver mit seinem Kaffeeladen den Sprung in die Realität. Der Kaffee ist nicht nur rein und natürlich wie es ursprünglicher kaum sein könnte, sondern unterstützt auch direkt die Vorhaben der Kogis. Um das Projekt weiter zu fördern, sucht Oliver Driver neben Selbstverbrauchern noch nach Unternehmen, die auf Nachhaltigkeit zielen und den Kaffee gern selbst vertreiben oder ihren Geschäftspartnern anbieten möchten. Mehr Informationen gibt es unter www.urwaldkaffee.de.

Siedlung der Kogi
Das Land der Kogi
Kogi im Urwald
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