Montag, 23.10.2017 04:08 Uhr

Kaffee rösten für Anfänger

Verantwortlicher Autor: Bianca Bell-Chambers Korschenbroich, 27.07.2017, 11:29 Uhr
Presse-Ressort von: Bianca Bell-Chambers (BBC) Bericht 4786x gelesen
Vom ungerösteten zum selbstgerösteten Kaffee
Vom ungerösteten zum selbstgerösteten Kaffee  Bild: Bianca Bell-Chambers

Korschenbroich [ENA] Es gibt immer mehr künstlich veredelten Kaffee. Zumindest warnt die Verbraucherzentrale seit Jahren davor. Laut Angaben verschiedener Hersteller werden Zuckeraustauschstoffe und Karamell hinzu gefügt, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Wie einfach ist es, Bohnen selbst zu rösten?

Die Kaffeeanbieter Tchibo und Onken gaben schon vor Jahren an, ihrem Kaffeepulver zusätzliche Substanzen beizufügen, warnte die Verbraucherzentrale Hamburg im Jahr 2010. Angeblich geschehe dies, um Kundenwünschen zu folgen. Unbestritten ist, dass die Hinzugabe von Stoffen wie Maltodextrin und Karamell zum einen preislich günstiger als die Kaffeebohne ist, andererseits wird auch bei der Kaffeesteuer gespart. Dies kommt hauptsächlich dem Hersteller zugute, denn die Preisersparnis wird nicht immer an den Kunden weiter gegeben.

Schon oft habe ich mich gefragt, warum einige Kaffeesorten so süß und künstlich schmecken. Die fertigen Kaffeepads empfinde ich als besonders schrecklich. Sie schmecken mir nicht. Mir wird schlecht davon und der hohe Rohstoffverbrauch ist nicht umweltschonend. Dass mir von den meisten Kaffeesorten schlecht wird, liegt wohl daran, dass ich seit Jahrzehnten einen nicht "eradizierbaren" - wie es im medizinischen Fachjargon heisst - Helicobacter pylori habe. Das bedeutet, dass das Bakterium, welches den Magen besiedelt, trotz aller in der Modernen Medizin bekannten und möglichen Therapieversuche nicht auszurotten ist.

Vor Jahren entdeckte ich den Urwaldkaffee, den "Café Kogi" (http://www.cafe-kogi.com). Der Kaffee schmeckt mir sehr gut. Er ist aus nachhaltigem Anbau und ohne jegliche Pestizide in der welthöchsten Gebirgskette in Küstennähe, der "Sierra Nevada de Santa Marta" in Kolumbien, auf natürliche Weise gereift und geerntet. Von diesem Kaffee wird mir nicht schlecht. Die Beweggründe der Kogi-Indianer haben mich zutiefst bewegt. Von der Nachhaltigkeit des Kaffeeanbaus konnte ich mich vor ein paar Jahren persönlich überzeugen (http://bit.ly/2uAepJN).

Kaffeebohnen beim Rösten in der Pfanne

Endlich, nachdem ich monatelang den Rohkaffee bei mir horte, komme ich dazu, ihn zu rösten. Dazu heize ich eine Pfanne auf höchster Stufe auf und gebe die Kaffeebohnen hinzu. Wenn es anfängt zu knistern, schalte ich den Herd auf eine mittlere Stufe und wende kontinuierlich die Bohnen, während sie schonend rösten. Im ganzen Haus duftet es nach frisch gerösteten Bohnen. Die gesamte Prozedur dauert ungefähr 15 Minuten. Dann lasse ich die Pfanne samt Inhalt abkühlen, bevor ich den Kaffee wiege und in ein geeignetes Gefäss umfülle.

Abgefüllte und fertig geröstete Bohnen

Vor dem Umfüllen wiege ich genau 224 Gramm geröstete Kaffeebohnen. Das entspricht fast einem viertel Pfund Kaffee. Die Menge passt genau in meine silberne Kaffeedose. Zusammen wiegt es über 800 Gramm und eignet sich zum Verschenken. Zuvor teste ich den Kaffee geschmacklich und auf Verträglichkeit. Geschmack ist individuell und kann durch die Dauer des Röstens angepasst werden.

Der frisch geröstete Kaffee wird wie in alten Zeiten per Hand gemahlen. Den gemahlenen Kaffee giesse ich in einem Filter aus Porzellan mit kochendem Wasser per Hand auf. Es riecht unglaublich gut. Sowieso bin ich der persönlichen Meinung, dass Kaffee besser riecht als er schmeckt. Auf dem obersten Bild links - wie auch auf dem Titelbild -, ist ganz links der rohe Kaffee zu sehen. Mittig befindet sich mein selbst gerösteter Kaffee aus den Bohnen der Kogis und rechts steht der fertig geröstete Kaffee "ALUNA" von den Kogi-Indianern. Geschmacklich ist der frisch geröstete und aufgebrühte Kaffee durch nichts zu übertreffen, was ich zuvor in meinem immerhin fast fünfzig Jahre währendem Leben an Kaffee verzehrt habe.

Für einen professionellen Kaffeeröster mag mein unkonventioneller Röstprozess laienhaft erscheinen. Das stimmt sogar! Eine gleichbleibende Röstung beim Wiederholen kann ich nicht garantieren. Wozu muss ich das? Das Rösten hat Spass gemacht. Im Haus riecht es nicht verbrannt; es duftet nach frisch geröstetem Kaffee. Der Kaffee schmeckt phantastisch und ist wohl bekömmlich. Genau so wenig wie die Kogi Indianer einen zertifizierten Prozess benötigen, um den wohl nachhaltigsten Kaffee der Welt anzubauen, benötige ich einen standardisierten Röstprozess. Die Entscheidung bleibt jedem selbst überlassen. Mehr Informationen zum Kaffeerösten gibt es im Kaffeewiki hier: http://bit.ly/2tLU5Gw

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