Mittwoch, 21.11.2018 20:39 Uhr

Plastikpartikel in Wasser und Lebensmittel unterschätzt

Verantwortlicher Autor: Uwe Hildebrandt Göttingen, 28.10.2018, 17:26 Uhr
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Mit Plastikverboten soll auch dieser Berg schmelzen
Mit Plastikverboten soll auch dieser Berg schmelzen  Bild: Uwe Hildebrandt

Göttingen [ENA] Seit Jahren kommt das Thema immer mal wieder in den Nachrichten vor oder es wird ein einschlägigen Dokumentationssendungen darauf hingewiesen:Es schwimmt immer mehr Plastikabfall in den Meeren, schon einige einst als Urlaubsgebiet bekannte Küstenlandstriche sind inzwischen mit Plastik verunreinigt.

Wenn man hinausschwimmt kann man durchaus Bekanntschaft mit einer Plastikflasche machen. Oder schauen Sie sich manche Strandabschnitte bekannter Urlaubsgebiete hinter Hotelanlagen an: Plastik liegt herum und schwimmt im Wasser. Plastik ist zum einen, wenn überhaupt, nur in sehr langen Prozessen zersetzbar, gewisse Teile kommen über Meeresbewohner dann auch in die Nahrungskette und schwupps – wir sind da wo wir jetzt angekommen sind.

Da können uns manche Politiker ja nicht alleine lassen, schließlich wollen Sie ja auch wiedergewählt werden, also kam ein Appell an die Geschäfte: Verbannt doch bitte die Plastiktüten, dann haben wir wieder alles im Griff. Aber wie das eben so ist, Appelle müssen ja nicht umgesetzt werden, manche Einzelhandelsketten kamen der Bitte nach, andere nicht. Neue Taschen, stabil und zigmal verwendbar wurden eingeführt, dazu gleich ein saftiger Preis für die neuen ach so guten Umwelttaschen, denn wo es Verdienstmöglichkeiten gibt, läßt man diese ja nicht aus, aber was hat es in der Praxis gebracht ?

Wenig bis gar nichts, denn Plastiktüten gibt es weiterhin hier und da und schließlich haben auch viele Privathaushalte diverse Tüten gebunkert. Bis also die letzte Tüte verschwindet, werden viele Menschen nicht mehr lebend auf diesem Planeten verweilen. Abgesehen davon sind auch die neuen Taschen meistens und hauptsächlich aus Plastik hergestellt, wo ist da dem Plastikmülleindämmungsappell Genüge getan ? Das weiß keiner. Ach du meine Güte, sagen sich jetzt auf einmal manche Politiker der EU, Plastikteilchen überall in der Nahrung und Getränken, jetzt nach neuesten Studien auch im Stuhl von Menschen weltweit nachgewiesen, da muß was geschehen.

Das ist die Reaktion mancher typischer Politiker, die wir in vielen Bereichen sehen können; sind diese erst mal selbst betroffen, natürlich in negativen Sinne, reagieren Sie überhaupt und dann zumeist noch in solchen Übermaßen, das diese über das Ziel hinausschießen. Dabei sollen einige Regelungen von Verboten schon ab 2021 greifen, andere Regelungen sehen vor, das bis 2025 der Verbrauch um 25 % gesenkt werden soll; ein ausserordentlich großgestecktes Ziel.

Was ist also weiter passiert oder soll weiter passieren ? Seit Monaten hat der ein schon einmal davon gehört: Die EU will angeblich Wattestäbchen und Plastikstrohhalme aus dem Verkauf verbannen, aber mal ehrlich und scharf nachgedacht: Wieviel Wattestäbchen oder Plastikstrohhalme haben Sie denn schon einmal bei einer Ansammlung von Plastikmüll, wo auch immer, gesehen ? Wieviel untergeordnete Milliprozente macht das denn gerechnet am Plastikmüll aus ? Das haben dann auch einige Politiker gedacht, damit kann man die Bevölkerung nicht wirklich hinters Licht führen und dummerweise gibt es ja auch auf der Seite von Experten ebensolche, die belegen können, das diese Abschaffung rein gar nichts bringt.

Aber Politiker sind ja erfinderisch: Jetzt haben Sie den Plastikverbotskatalog, so nenne ich das einfach mal, erweitert: Es soll auch gleich das ganze Einwegplastikbesteck und Plastikgeschirr und auch die Plastikverpackungen z.B. von Essenlieferbetriebe verschwinden, und die keinen durchsichtigen durchsichtigen Plastikbeutel, die man z. B. im Einzelhandel findet um Obst einzupacken, gleich mit. Ich höre aber weiterhin nichts von den nach wie vor auf den Markt befindlichen Plastiktüten der „ alten „ Art.

Aber damit das Thema dann auch wieder nicht zu groß wird und womöglich die unmündigen Bürger, die nur als mündig vor und nach einer Wahl dargestellt werden, gibt es wiederum Politiker, Verbände und Institutionen, die verhindern wollen, das zuviel Informationen an die Öffentlichkeit gelangen. So zum Beispiel das Verbraucherschutzministerium NRW nach Angaben von Foodwatch eine Studie in Auftrag gegeben, wonach Mineralwasser nach Belastungen auf Mikroplastik untersucht worden ist. Es gab natürlich auch Ergebnisse über belastete Mineralwasser, die Studie wurde Ende 2017 auch veröffentlicht, die Studie nennt jedoch keine Produkt- und Herstellernamen.

Wie sinnvoll oder unsinnig ist aber eine Studie darüber, die zum einen von Steuergeld finanziert wird und auch der anderen Seite den Bürgern gar nichts bringt, weil man nicht weiß, auf welches Mineralwasser man am besten verzichten soll. Eine Frage die sich da aber stellt: Warum wurde die Studie überhaupt in Auftrag gegeben, wenn die Ergebnisse nicht verwertet werden, das heißt, falsch, immerhin kennt ja das Verbraucherschutzministerium die Ergebnisse, warum dieses aber seinen Namen trägt, weiß es selber nicht. Da helfen auch keine Petitionen von inzwischen fast 50.000 Bürgern, die die Ergebnisse selbstverständlich klargelegt haben möchten, für so mündig hält uns die Politik dann auch wieder nicht, das selbst zu entscheiden.

Denn wir wissen ja: Im Zweifelsfall wissen die Politiker, was gut für uns ist. Und Sie als Bürger haben nunmal gar keine Ahnung davon, wieviel Plastik sie vertragen können ohne Schädigung, oder wieviel mit geringer Schädigung usw. Probieren sie doch erst einmal aus. Zu diesem Thema wurde ein weiterer interessanter Hinweis bei foodwatch.de veröffentlicht, das die besondere Sichtweise mancher Politiker/innen in Sachen Verbraucheraufklärung belegt und vor allem deren (Un)wichtigkeit: Die nordrhein-westfälische Ministerin Ursula Heinen-Esser kündigt zunächst für Juli auf Twitter eine Wasserprobeentnahme an, jetzt wurde auf Nachfrage von Foodwatch im Ministerium bekannt:

Probeentnahme sei nicht sinnvoll, es gäbe ja noch keine Risikobewertung. Ach nee, und wo ist die und bleibt die ? Komisch, die EU hat wie schon zu Beginn erwähnt ja eine positive Abstimmung über einen Richtlinienvorschlag zur Reduzierung von Plastikmüll gemacht, aber in NRW gibt es keine Risikobewertung. Offensichtlich sind die Abgeordneten in der EU alle nicht auf der Höhe der Zeit, es gibt gar kein Risiko bei Plastikkonsumierung, fragen Sie doch die NRW Ministerin Heinen-Esser.

Ein weiteres Rätsel in Sachen Mikroplastik / Plastikpartikel: Angeblich wird noch darüber gerätselt, wie denn die Mikropartikel in den menschlichen Stuhl gelangen konnten. Wie jetzt ? Zitat bei Foodwatch: Noch ist unklar, auf welchem Weg das Plastik in die Menschen gelangt ist. Dann ein Bericht darüber, wo inzwischen Mikroplastikpartikel überall nachgewiesen wurden (Bettina Hoffmann, Sprecherin Umweltpolitik Die Grünen) Zitat: Forscher haben Mikroplastik bereits unter anderem in der Raumluft, in Bier, Salz oder Muscheln nachgewiesen. Die aktuellen Funde im Darmtrakt überraschen deshalb nicht. Ja was denn nun, überraschen diese oder nicht ? Mich überraschen diese auch, denn wir trinkt denn z. B. schon Bier ?!

Und für Ministerin Heinen-Esser haben wir auch eine Idee: Mehr mit den Tatsachen befassen; denn die Ausführungen von Frau Hoffmann gehen noch weiter (Zitat): Bei Tieren und in Modellen konnte bereits nachgewiesen werden, dass ultrakleines Nanoplastik die Blut-Hirn-Schranke, die Placenta-Schranke und die Darmbarriere überwinden kann. Hier braucht es entsprechende Untersuchungen auch für den Menschen. Aha, und warum sind denn nicht schon längst welche gemacht worden ? Ist das Thema dann wohl wieder doch nicht so wichtig oder was ?

Und damit Sie mal selber sehen und fühlen können, wie wichtig das Thema UNSERER Bundesregierung ist: Die Grünen haben im September dieses Jahres eine kleine Anfrage an die Bundesregierung gestellt mit dem Thema: Auswirkungen von Mikro- und Nanoplastik auf die Gesundheit. Dazu wurden diverse Fragen aufgelegt und mehr oder weniger auf 7 Seiten von der Bundesregierung beantwortet (Anfrage liegt mir im Original vor). Interessant ist aus dieser Anfrage und Antwort eine Passage, die ich Euch liebe Leser nicht vorenthalten will: Das BMBF hat im Oktober 2017 !!! ein Forschungsprojekt zu diesem Thema gestartet, vorläufige Kosten 35 Millionen Euro, davon eingebunden 18 Verbundprojekte und über 100 Institutionen.

Ich nehme es mal vorweg: Bei so einem aufwendigen kostenspieligem Projekt mit soviel Power und bis jetzt rund 10 Monate Forschungszeit wagt es die Bundesregierung, folgende Antwort zu geben (Zitat aus der Anfrage): Mit diesem Forschungsschwerpunkt soll dem aktuell immer noch lückenhaften Kenntnisstand entgegengewirkt werden. (Zitatende) Aktuell heißt also: Die Anfrage wurde am 12.09.2018 beantwortet, was wurde denn in den vergangenen 10 Monaten an Erkenntnissen gewonnen ?

Offensichtlich keine. In diesem Sinne: Machen Sie weiter wie bisher, ändern wird sich sowieso nur etwas wenn die EU sich durchsetzt, erfahren werden Sie nur etwas wenn die Politik das will. Erklärung: BMBF = Bundesministerium für Bildung und Forschung

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