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Rezension: Leitfaden Phytotherapie

Verantwortlicher Autor: Bianca Bell-Chambers Korschenbroich, 27.06.2016, 20:32 Uhr
Presse-Ressort von: Bianca Bell-Chambers (BBC) Bericht 7001x gelesen
Leitfaden Phytotherapie
Leitfaden Phytotherapie  Bild: Bianca Bell-Chambers

Korschenbroich [ENA] Der „Leitfaden Phytotherapie“ des im Jahr 2015 verstorbenen Autors und Herausgebers Prof. Heinz Schlicher wurde von mehreren medizinischen Fachautoren geschrieben und zählt mit bisher fünf Auflagen mittlerweile zu den Standardwerken der Phytotherapie.

Die fünfte Auflage des im Juni 2016 im Elsevier Verlag erschienen Fachbuches wurde um wesentliche Veränderungen angepasst und erweitert. Neue arzneimittelrechtliche Bestimmungen wurden eingearbeitet. Präparate und Studien sind aktualisiert, Indikationen erweitert und in die deutsche Sprache übersetzt. Das Buch enthält Tabellen mit allen Drogen und eine Übersicht der Monografien verschiedener Kommissionen auf 16 Seiten. Ein neues Kapitel über „Phytotherapie in der Geriatrie“ wurde eingefügt.

Das Fachbuch enthält ein Geleitwort und Vorwort sowie einen Nachruf auf den Herausgeber und Hauptautoren, der die Entwicklung der Pharmazeutischen Biologie und die Phytotherapie in Deutschland wesentlich geprägt hat. Benutzungshinweise zum Buch sind dargestellt. Es wird auf farblich gesondert gekennzeichnete Hinweise, Darstellungen und Empfehlungen im Umgang mit dem Buch hingewiesen.

Was Phytotherapie ist, welche Standardzulassungen und Erstattungsfähigkeiten es gibt, wird vorab erklärt. Traditionelle und alternative Einsatzmöglichkeiten werden angesprochen. Die Autoren befassen sich mit arzneirechtlichen Regelungen auf nationaler und internationaler Ebene. Die stoffliche Zusammensetzung von Phytopharmaka wird ebenso beschrieben wie deren Möglichkeiten und Risiken mitsamt Nebenwirkungen und Interaktionen. Diese basieren auf aktuellen wissenschaftlichen Grundlagen.

Wie pflanzliche Arzneien zubereitet und verabreicht werden, ist mittels Beschreibungen und unterstützenden Tabellen und Grafiken erklärt. Im Buch werden 225 Arzneipflanzen nach Inhaltsstoffen, Wirkungen, Wirkmechanismen, Indikation, Kontraindikationen, Dosierung und Darreichungsform kategorisiert. Es gibt Hintergrundinformationen zu den Pflanzen und Abbildungen. Vorab befindet sich eine Übersicht über die Pflanzenprofile mit Seitenangabe. Am Ende des Kapitels befinden sich von der Kommission negativ verabschiedete Drogen mit Tabellen und Beschreibungen.

Die nachfolgenden zwölf Kapitel sind nach Organsystemen aufgeteilt. Es finden sich Hinweise zur inneren und äußeren Anwendung, zu Einzel- und Kombipräparaten. Der allgemeine Stellenwert zum jeweiligen Krankheitsbild ist beschrieben. Es gibt eine priorisierte Präparate-Empfehlung. Studien zu einzelnen Präparaten und Angaben zur phytotherapeutischen Differentialtherapie sind angegeben. Zusätzlich gibt es Informationen zu allgemeinen Maßnahmen.

Es folgt ein gesondertes Kapitel zur Kinderheilkunde bei spezifischen Erkrankungen. Das Spektrum reicht von banalen Infekten bis zu Vergiftungen. Hier finden sich neben Darreichungsform und Dosierung auch Hinweise zum Stellenwert der Phytotherapie, Erstattungsfähigkeit und Alkoholgehalt in pflanzlichen Arzneimitteln. Eine Tabelle zu Arzneidrogen, die bei pädiatrischen Erkrankungen Anwendung finden, ist beigefügt.

Das neue Kapitel „Phytotherapie in der Geriatrie“ beschäftigt sich mit der Heilkunde bei alternden Menschen. Die Vorteile der Anwendung von Phytopharmaka gegenüber chemisch-synthetischen Arzneimitteln und die Formen der flüssigen Darreichung sind kurz dargestellt. Das Kapitel enthält eine komprimierte Zusammenfassung von Indikationen bei degenerativen Erkrankungen und nachlassenden Organfunktionen. Insgesamt umfasst der Fachtext siebeneinhalb Seiten. Das gesamte Buch enthält 135 Krankheitsbilder.

Am Ende des Buches befindet sich ein umfangreicher Anhang. Dieser umfasst eine Begriffserklärung, eine tabellarische Übersicht über die Drogen und ihre zugehörigen Monografien, ein Präparateverzeichnis, den Index und die tabellarisches Grundrepertoire für eine phytotherapeutische Einstiegspraxis. Diese gliedert sich nach Indikation und Präparat mit Verweis auf die jeweiligen Kapitel.

Besonders gefällt mir die Einbindung wissenschaftlicher Erkenntnisse als Basis für die Indikation und Nutzung von Phytopharmaka. Fachliches Wissen wird in Breite und Tiefe vermittelt. Das Buch ist durchgehend strukturiert, so dass sich der Leser schnell zurecht findet. Es erleichtert das schnelle Nachschlagen und Auffinden nicht nur in eiligen Fällen. Rechtliche Rahmenbedingungen, mit denen Ärzte und Heilpraktiker in der Praxis bei der Gabe von pflanzlichen Arzneimitteln konfrontiert sind, werden ebenfalls besprochen. Das Fachbuch ist sehr umfangreich und zählt mit den vorherigen Auflagen mit Recht zu den Standardwerken.

Die vielen Seiten enthalten umfangreichen Fachtext und sind um zahlreiche Tabellen und Abbildungen ergänzt. Der Inhalt ist gut strukturiert. Hintergründe sind erklärt. Das Fachbuch liest sich leicht und übersichtlich bei sachlich guter Gliederung. Das Buch eignet sich als Lehrbuch, aber auch als Nachschlagewerk für die naturheilkundliche Praxis oder die naturheilkundlich interessierte Praxis als Ergänzung zur traditionellen Medizin und für Apotheker.

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