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Vitaminisierte und natürliche Nahrungsmittel

Verantwortlicher Autor: Bianca Bell-Chambers Korschenbroich, 14.04.2016, 08:54 Uhr
Presse-Ressort von: Bianca Bell-Chambers (BBC) Bericht 5392x gelesen
Lebensmittel und Nahrungsergänzer
Lebensmittel und Nahrungsergänzer  Bild: Bianca Bell-Chambers

Korschenbroich [ENA] Immer mehr Lebensmittel werden mit synthetischen Vitaminen angereichert und als „gesund“ deklariert. Andererseits werden natürliche Nahrungsmittel und Nahrungsergänzungsmittel vermehrt angeboten und als heilungsfördernd angepriesen. Wie nützlich sind diese Produkte?

Laut Studien des in Holland, Frankreich und Deutschland ansässigen Vereins „foodwatch“ sind 90 Prozent der in Deutschland als vitaminhaltig beworbenen Lebensmittel zu süß, zu salzig oder zu fettig. Der gemeinnützige Verein hat sich unter anderem zur Aufgabe gemacht, durch unabhängige Studien und Beratung, Verbraucher über die Qualität von Lebensmitteln aufzuklären. Zum Schutz der Verbraucher werden deren Interessen durch Lobbyarbeit zusätzlich in Parlamenten und Behörden vertreten. Verbraucherschützende Verbandsklagen werden angestrebt.

Foodwatch wirft den betroffenen Unternehmen vor, mit absurden Vermarktungsmethoden wie die Bewerbung von Schokolade mit „Calcium“ oder Slogans wie „wertvolle Vitamine“ in stark zuckerhaltiger Limonade Verbraucher bewusst und völlig legal in die Irre zu führen. Dass so etwas möglich ist, ist einer Gesetzeslücke zu schulden. Bisher gibt es keine Mindestanforderungen an Lebensmittel, die mit gesundheitsfördernden Eigenschaften beworben werden.

Aber auch Anbieter von natürlichen Nahrungsmitteln oder Nahrungsergänzungsmitteln scheinen auf Nachfrage mit der Wirkung ihrer Substanzen nicht immer hinreichend vertraut. So wird derzeit insbesondere der aus der Gelbwurzel gewonnene und vielseitig genutzte Wirkstoff „Kurkuma“ als Allheilmittel angepriesen. Er soll bei Krebs und Durchblutungsstörungen, rheumatischen und entzündlichen Erkrankungen, Osteoporose und vielem mehr helfen.

Tatsächlich gibt es Studien, die diese Wirkungen bestätigen. Allerdings findet sich kaum ein Hinweis darauf, dass die Substanz „Curcumin“, dessen Hauptwirkstoffe die „Prenylflavonoide“ sind, nur in sehr beschränktem Maße vom Körper aufgenommen werden kann. Eine hohe Dosierung von Kurkuma führt nicht automatisch zu einer verbesserten Wirkung. Um die fettlöslichen Prenylflavonoide in den Körper zu schleusen, sind Lösungsmittel nötig. Bei einem als gesundheitsfördernd beworbenen Produkt ist daher entscheidend, wie bioverfügbar es ist, wie gut es vom Körper aufgenommen und verwertet werden werden kann.

Fettlösliche Nährstoffe lassen sich beispielsweise durch sogenannte „Mizellen“, aus Kolloiden aufgebaute Moleküle, lösen und in den Körper einschleusen. Dies geschieht durch vermehrte Ausschüttung von Gallensäure, welche die Substanz umschließt und über den Darm aufnehmen lässt. Die Information, ob und wie welche Substanzen im Produkt enthalten sind und vom Körper verwertet werden, hat der Verbraucher in der Regel nicht. Hier kommt er nicht darum herum, sich selbst zu informieren. Wie die beschriebenen Beispiele verdeutlichen, sind die Aussagen der Anbieter nicht immer verlässlich und nachvollziehbar.

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